Abenteuerland…

17. März 2025

Meine Kollegin meinte heute zu mir ich wäre etwas verrückt… Da hat sie allerdings nicht ganz Unrecht.

Meine beste Freundin sagte, sie hätte das Gefühl ich würde mich freischwimmen von den Dingen und dem Leben, was mir mal so wichtig war. Auch sie hat Recht.

Bis vor ein paar Jahren war mir Anerkennung unheimlich wichtig. Von allen gemocht werden. Dazugehören. Das keiner schlecht von mir denkt.

Geprägt von dummen Glaubenssätzen aus meiner Kindheit, habe ich lange gedacht ich müsse immer mehr leisten und mehr arbeiten als alle anderen um anerkannt und gemocht zu werden. Das gipfelte in zeitweise 4 Jobs gleichzeitig. Ich war ständig auf irgendwelchen Fortbildungen und Ausbildungen. Geld war wichtig. Trotzdem hatte ich nie wirklich welches. Sparen ist überhaupt nicht mein Ding. Money comes around and goes around. Ich konnte schlecht Nein sagen und habe mir immer noch mehr aufgehalst, nur damit niemand denkt ich wäre faul.

Am Ende auf der Strecke geblieben bin ich. Und keinen hat’s interessiert. Keiner hat gefragt wie es mir geht, ich war nur noch die, die die Kollegen im Stich lässt und krank macht. Irgendwann habe ich angefangen mich zu wehren, nein zu sagen und anderen Grenzen zu setzen. Da war ich dann der Arsch. Muss man auch mit leben können. Mittlerweile kann ich das ganz gut. Und ich bin stolz auf mich.

Ich kann gar nicht so genau sagen was der Gamechanger war. Corona und die Lockdowns auf jeden Fall. Ich durfte lernen, wie man ohne schlechtes Gewissen Zeit mit sich selbst verbringen kann. Meine Massagepraxis musste ich schließen und hatte somit von heute auf morgen kein Einkommen mehr. Meine jahrelang sorgsam gepflegten Existenzängste waren plötzlich Realität. Andererseits brauchte ich mir nun aber keinen Kopf mehr machen wie ich meine ganzen Termine bewerkstellige und die ganzen Kunden unterbringe. Alles wurde gecancelt. Bis auf 1 habe ich alle meine Firmenkunden in dieser Zeit verloren. Somit blieb mir nichts anderes übrig als mir wieder einen festen Job zu suchen. Die einzig richtige und lange überfällige Entscheidung wurde mir abgenommen.

Mit der 2. Bewerbung hatte ich eine Arbeitsstelle, konnte mir ein neues Auto kaufen, habe Camping für mich entdeckt und als es wieder erlaubt war, liefen auch meine Massagen langsam wieder an. Mit dem festen Gehalt war ich plötzlich psychisch komplett entspannt. Meine Ängste waren weg. Ich hatte mich erholt und Dinge getan, auf die ich Lust hatte und jetzt auch endlich mal Zeit.

Und so sprang ich wieder kopfüber in mein Hamsterrad und alles war schnell wieder beim Alten. Vormittags Arztpraxis, nachmittags Massagen, am Wochenende mithelfen im Familienbetrieb. Abends kaputt, das Privatleben und die Hunde blieben wieder auf der Strecke.

Dann Tag X, 8. März 2022, 11:47 Uhr…

Jahrelang habe ich meinen Kunden gepredigt, hört auf die Signale eures Körpers, sonst werdet ihr irgendwann aus dem Spiel genommen.

Am 8. März 2022 wäre ich beinahe aus dem Spiel genommen worden. Viel hat nicht gefehlt und es hätte keinen Blog gegeben. Keine sarkastischen und lustigen Beiträge mehr. Kein Abenteuerland, in dem ich mich derzeit befinde.

Heute weiß ich sehr genau wovon ich rede, wenn ich meine Weisheiten kundtue. Ich kann auch Tiefs sehr gut nachvollziehen und weiß, dass auch wieder Hochs kommen, egal wie dunkel es gerade ist.

Ich bin sehr sehr dankbar das ich noch lebe. Jeden Tag habe ich neue bekloppte Ideen und Dinge, die ich von meiner Bucketlist abhaken will. Nach meinem Unfall habe ich meine Sichtweise aufs Leben geändert, was bei einigen Leuten für Unverständnis gesorgt hat. Aber das ist nicht mehr meine Baustelle. Keiner lebt mein Leben und keiner geht in meinen Schuhen. Und ich bin schlicht und ergreifend nicht mehr dazu da andere zufriedenzustellen und Honig um den Bart zu schmieren.

Mein Chef meinte neulich zu mir das man meinen Humor auch aushalten können muss 🤪 Jap. So isses. Sorgt aber auf jeden Fall immer wieder für Lacher und Kopfschütteln bei den Leuten. So bin ich und so bleibe ich auch. Ich kann herbe Sprüche ab, kann aber auch genauso gut austeilen. Damit kann nicht jeder um.

Letztes Jahr stand unter dem Camping- Stern. Dieses Jahr ist das Motto „Komfortzonenstretching“. Ich mache Dinge, die ich noch nie in meinem Leben gemacht habe. Im Zelt schlafen zum Beispiel. In 3 Wochen habe ich meinen Fallschirmsprung. Danach geht’s 4 Wochen auf meinen persönlichen Jakobsweg und wenn ich zurück bin, stehen nochmal 2 Wochen Dogtrekking in Schweden an. 12 Tage allein mit Hund in der Wildnis 🫨

Klar hab ich Schiss. Ich hab meeeeeeega Angst vor Spinnen und Schlangen und Serienmördern. Aber wer nicht wagt, der erlebt keine neuen Abenteuer. Sieht keine neuen Dinge und wächst nicht über sich hinaus. Und wer weiß wie lange ich solche Unternehmungen noch machen kann?

Ich erlebe Tag für Tag wie schnell das gewohnte Leben durch Unfälle und Krankheiten von einem Tag auf den anderen vorbei ist. Man wollte noch soviel erleben und kann es plötzlich nicht mehr.

Mein Bruder starb 2005 von einem Tag auf den anderen mit 23 Jahren. Ich habe meinen Eltern beim Sterben zugesehen, sie begleitet und als mein Vater starb, habe ich beschlossen, dass ich nicht auf meinem Sterbebett liegen und sagen werde „ich hatte doch noch soviel vor“. Wenn ich es meinen Eltern nachmache, ist mein Leben in 7 Jahren vorbei. Meine Mutter starb mit 54 Jahren an Krebs, mein Vater mit 61 Jahren an Multiorganversagen nach jahrelangem Alkoholmissbrauch. Ich habe beschlossen das ich weder Krebs noch sonstige Gebrechen haben will. Ich mache es einfach meinem Opa nach und werde 100. Ganz einfach.

Keiner will meine Erlebnisse mitmachen? Kein Problem. Fliege ich eben allein nach Peru. Fahre ich eben allein in die Weltgeschichte zum Camping. Gehe ich eben allein auf Survivaltrips oder krieche mit Hund durch Matsch und Schlamm oder gehe stundenlang wandern 🤷‍♀️ Aber ich mache es. Ich lasse mich nicht mehr beschränken von Leuten, die es vermeintlich nur gut mit mir meinen oder mich runterziehen wollen. Ich hab auch keine Lust mehr die Probleme anderer Leute zu meinen eigenen zu machen. Take it or leave it.

Keiner von denen wird am Ende an meinem Grab stehen und sagen, wie toll ich mich immer für alle aufgeopfert habe. Wie toll ich von einem Burnout in den nächsten gestolpert bin und wie toll ich alle Jobs gleichzeitig gewuppt habe.

Ich lebe. Ich lebe sehr gern. Und ich mache mir meine Welt so wie sie mir gefällt. Und wem das nicht passt, der darf meinen Mikrokosmos gern verlassen 💪🏻


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