
20. April 2025
Tag 3, Ostersonntag, Zirchow- Stadt Usedom
7.45 Uhr
In einer kirchlichen Herberge zu übernachten ist nichts für schwache Nerven ☝🏻
Nachdem der Hund gestern Abend überhaupt und gar nicht dazu zu bewegen war mit mir oben im Bett zu schlafen (Hund natürlich vor dem Bett…), sind wir mit Sack und Pack wieder runter ins Wohnzimmer gezogen.
Als ich mich mittags häuslich eingerichtet habe, lief sie noch freudig mit hoch, aus irgendeinem Grund hatte sie dann aber Panik und wollte nicht am Schrank vorbeigehen 🤔 Nun nehmen Tiere ja mehr wahr als wir Menschen, wunderte mich zwar ein bisschen, weil das total untypisch für sie war. Normalerweise steht sie dann eher knurrend vor der Bedrohung, aber diesmal war es wirklich pure Angst 🤷♀️ Eigenartig.
Wieder runter, chillen, alles vergessen.
Bis ich ins Bett wollte und da nun einsam und verlassen lag auf dieser wundervollen weichen Lagerstatt. Der Hund stand winselnd auf der Treppe. Egal wieviele Leckerlis ich hinlegte, sie kam nur bis zur vorletzten Stufe und haute dann wieder ab. Also hab ich sie hochgetragen. Man will ja schließlich nicht allein schlafen. Zack, Hund aufm Arm und die Treppe hochgekraxelt. Wieder die blanke Panik in ihren Augen 👀 Ich habe mich dann erweichen lassen und bin wieder runter auf die Couch gezogen. Schön hart. Toll
Endlich müde gelesen, mache ich die Augen zu und bin am wegdämmern- höre ich oben Schritte. Herzschlag 250, Adrenalinschub, Panik 😱, der Hund pennt. Hab ich mir bestimmt eingebildet. Bin aber wieder hellwach, also weiterlesen Alles ist ruhig. War vielleicht nur der Holzfussboden, der arbeitet.
Müde, Tolino weggelegt, Augen zu, oben wieder Schritte. Ganz eindeutig. Als wenn jemand von Bett zu Bett geht. 4 Betten sind oben. Hellwach, Panik, ruhelose Seelen, das hat mir gerade noch gefehlt. Mein Hirn macht lustiges Synapsenpingpong und denkt sich Horrorszenarien aus, wie hier plötzlich jemand am Bett steht usw. Also erstmal Licht an, Stubentür zu, Pfefferspray unters Kopfkissen, panische Nachrichten an Gatten und beste Freundin, der Hund pennt… Jetzt drückt die Blase. Das darf doch nicht wahr sein. Also nochmal panisch zur Toilette und dann wieder schnell zurück ins sichere Helm erleuchtete Wohnzimmer 😮💨

Der Rest der Nacht verläuft ohne weitere Schritte oder Geisterbesuch. Nun schläft es sich aber mit Licht schlecht, genauso war die Nacht. Sehr unruhig, alle Nase lang wach, hätte ich doch lieber im Zelt schlafen sollen irgendwo??? Neeeeeeeee, hier ist’s warm und trocken. Mir dröhnt der Kopf. Na super. Wandern mit Kopfschmerzen ist bestimmt prickelnd 🤯 Thomapyrin wird’s hoffentlich richten, zum Glück hab ich genug dabei. Hund muss 5.30 Uhr raus und denkt es gibt gleich Frühstück. Am Arsch. Ich krabbel nochmal zurück in meinen Schlafsack, stelle den Wecker aus und schlafe wieder ein.
Punkt 7 Uhr wach. Der Hund würgt. Wer Hunde oder Katzen hat weiß, wie schnell man aus dem Tiefschlaf gerissen und hellwach kerzengerade im Bett stehend sein kann ☝🏻 Terassentür aufgerissen, Hund rausgeschoben und siehe da, es kommen die beiden vermissten Socken zum Vorschein, die man Donnerstag Abend gefressen hat. Heute ist Sonntag wohlgemerkt. Erleichtert kann ich endlich die Not OP Szenarien mit Darmverschluss aus meinem Kopf streichen, Hund kann endlich wieder unbeobachtet das große Geschäft verrichten und ich werde jetzt mal aufstehen, die Raubtierfütterung vorbereiten und mir einen schönen Kaffee in der Bialetti zaubern.
Ein Foto der „erwürgten“ Socken liegt selbstverständlich vor, wird aber aus Pietätsgründen hier nicht veröffentlicht 🫣

15 Uhr
Wir haben es geschafft. Die letzten Meter waren so unbeschreiblich lang und ich dachte wir kommen gar nicht mehr an. Die Füße brennen und weil wir heute viel auf Asphalt und Steinuntergrund gelaufen sind, bekommt auch Yuna ihre Pfoten 🐾 mit Hirschtalgcreme gesalbt. Pfotenmassage deluxe.
Der Tag lief gut, der Rucksack saß perfekt und hat nirgendwo gedrückt oder gescheuert, das Hundetier war ausgeruht und zu allen Schandtaten bereit.
Die ersten 5 km bis nach Dargen liefen sich fast wie von selbst, bis auf die Tatsache das meine superduper Goretex-Schuhe plötzlich Wassereinbruch hatten und ich nasse Füße vom Morgentau auf den Wiesen bekam. Na toll 🙄










In Dargen haben wir am DDR Museum eine kleine Pause gemacht und uns mit Kaffee (nur für mich) und Pflaumenkuchen (auch für den Hund) gestärkt. Ein kleines bisschen zurück in die Vergangenheit gebeamt. An viele der kuriosen Teile kann ich mich noch sehr gut erinnern und musste schmunzeln. Kurz ausgelüftet und weiter geht’s durch die Wallachei. Wir wollen ja noch bisschen Meile machen heute.









Nächster Halt sollte Stolpe sein. Die Strecke zog sich und kurz vor dem Ziel, der Dorfkirche, meldeten sich dann auch meine Schulter und die Füße das erste Mal. Endlich angekommen um 12.30 Uhr haben wir im Schatten der Kirche eine längere Pause eingelegt, etwas gegessen und getrunken. Zum Glück lagen damit schonmal 3/4 des Weges hinter uns. Noch eben den Pastor in Usedom angerufen und unsere ungefähre Ankunft angekündigt. Keiner da 😱 Zum Glück rief er relativ zeitnah zurück, er wäre aber erst frühestens um 16 Uhr in Usedom, weil er noch Gottesdienste hat. Macht ja nix, wir warten gern, Hauptsache wir bekommen ein Bett und müssen nicht noch weiter rennen.
Wie gesagt, die letzten Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Yuna kühlte ihre Pfoten zwischendurch im feuchten Gras, was bei mir bestimmt etwas eigenartig ausgesehen hätte, wenn ich da so rumgerollt wäre am Straßenrand 🤣Dann kam endlich der Usedomer Kirchturm in Sicht. Jippieh 😍 noch 3x um den Pudding gelatscht und pünktlich um 15 Uhr standen wir vor der St. Marien Kirche 💒
Hund kriegt das letzte Wasser, meins war schon leer, morgen muss ich unbedingt meine Ersatzflasche befüllen. Aber so muss man unterwegs auch kein Klo suchen ☝🏻 Hat alles Vor- und Nachteile. Allerdings war es heute sehr warm und ich hätte eine zusätzliche Flasche sehr gut gebrauchen können.
Schuhe und Socken ausziehen… Göttlich… Ein Stoßgebet des Dankes an meine Kollegin geschickt, die mir den Tip mit Barfussschuhen gab. Heute liebe ich sie. Die Schuhe natürlich 👟 Hund rollt im Gras herum und freut sich des Lebens. Rucksack runter… Aaaaaaah… Was für eine Wohltat.
Nach 45 min geht die Tür vom Pfarrhaus auf und die Küsterin bittet uns herein. Wir kriegen unsere Pilgerstempel, entrichten unseren Obolus und bekommen von ihr frisches Brot und Weintrauben geschenkt. Meine Güte, wie köstlich und wie lieb. Dazu den Tip, dass morgen der der nahegelegene Bäcker aufhat. Somit ist für Frühstück und Wegzehrung gesorgt. Die Restaurants im Ort haben alle geschlossen, einen erhofften Lieferservice gibt es nicht. Schade. Zum Glück hatten wir ja das Brot und noch ein wenig Aufschnitt in der Tasche.
Nach dem Abendmahl gehen wir nochmal raus und drehen eine kurze Runde durch den Ort. Hier steppt auf jeden Fall NICHT der Papst im Kettenhemd 🤷♀️ Aber die Kirchenglocke bimmelt sich einen ab 🔔 Immerhin. Und die Bürgersteige sind auch schon hochgeklappt. Innerlich freue ich mich, dass der Pfarrhof eingezäunt ist. Heißt ich brauche nacher nur die Haustür aufmachen und den Hund zum Nacht- Pipi rauslassen 😇😇😇 Man muss auch mal Glück haben.
Das Bett ist gebaut, das Telefon geladen, das Zelt zum Trocknen aufgehängt und der Hund schnarcht schon seelig neben mir auf dem Boden und dünstet den unterwegs gefressenen Maiskolben Achtern wieder aus 🤢
Ich hoffe das wir eine ruhige und erholsame Nacht haben und das es hier nicht auch irgendwelche Geister gibt, die des Nächtens Wandertrieb bekommen…

















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