Der Ruf nach Einsamkeit…

13. Mai 2025

Hutzfeld- Ahrensbök

Trotz wundervollem Schlafzimmerblick war die Nacht anstrengend. Und kalt. Und am Ende seeeeeehr schmerzhaft für mich 🥶 😩

Eigentlich ließ sich alles ganz gut an. Kurz vor 21 Uhr hab ich den Hund nochmal zur letzten Pipirunde vors Zelt gebeten. Links ein Reh 😱 Der Hund will jagen und sich nicht mit Pipi aufhalten. Yeah. Am Ende wurde doch noch alles gut und es ging zurück ins Zelt, wo mir erstmal auffiel, dass eine Naht eingerissen ist. Super für den 3. Aufbau überhaupt und das erste Mal abspannen 👿 Naja, Regen ist ja nicht angesagt, wird wohl halten und danach hat’s eh ausgedient. Billo- Zelt.

Da ich ja wohlweislich im Schatten der Bäume unsere Interims- Behausung aufgebaut hatte, damit wir nicht auf den 1. Blick enttarnt werden, wurde es auch entsprechend schnell kühl. Also Jacke an und Buff um den Hals gewickelt. Ging erstmal. Irgendwann wurde es auch vom Boden her frisch und ich wrubbelte den Schlafsack um mich rum, statt wie vorher nur als Decke übergeworfen. Hund hatte eine eigene Matte, die lt meinem Angetrauten ebenso die Kälte abhalten sollte. Hund fror offensichtlich trotzdem. Ich wurde ein paar Mal von einem Schnarcher wach, scheinbar bin ich wohl doch ein bisschen eingedöst.

Halb 1 plötzlich draußen eigenartige Geräusche. Der Hund springt auf – by the way habe ich sie als WACHHUND dabei – zitternd und schlotternd vor Angst, mit vor Panik aufgerissenen Augen und ließ sich gar nicht wieder beruhigen. Sie hockte stocksteif neben mir und war nicht ansprechbar 🤷‍♀️ Na suuuuuuper. Ich mit KO Spray auf der Lauer, man weiß ja nie… Letztlich waren es wohl doch nur ein paar Rehe, die da rumgehoppelt sind. Und irgendwo hockte der Jäger, ein paar Mal waren Schüsse zu hören. Wenn doch mal irgendwas sein sollte, muß ich den Angreifer also doch selbst erledigen. Was für eine Erkenntnis 🧌

Ich dafür nun wieder wach. Kaaaaaaalt 🥶 Erinnere mich an meinen Überlebensschlafsack Bivy (eine Art Rettungsdecke, eben nur als Schlafsack), tüddel mich da rein und ein bisschen warm wird’s auch. Zum Glück. Vielleicht müssen wir ja doch nicht erfrieren 😮‍💨

Der „Wachhund“ entspannt sich langsam, friert aber nun und robbt sich in meinen Schlafsack, dreht sich zurecht und schläft augenblicklich an meinem Bauch ein 🤔 Was wiederum mich zu fast völliger Bewegungslosigkeit verdammt. Der Bivy gibt nicht nach. Schiete. Da lieg ich nun auf der linken Seite und versuche zu schlafen 🛌 Füße kalt, Kopf kalt, aber der Bauch immerhin warm dank Hundeheizung 🐕

Irgendwann tut mir die linke Hüfte weh. Aber so richtig. Ich kann gar nicht mehr liegen und versuche vorsichtig etwas Gewichtsverlagerung. Immerhin schon halb 4 🙄 Ich zappel vor mich hin, schlafen und erholen lässt sich so natürlich nicht. Aus der Tiefe des Schlafsacks kommen mürrische Geräusche, ich möge doch bitte jetzt mal ruhig sein, damit man in Ruhe schlafen könne… Dieser Hund eh… 😏😏😏

Um 6 krabbelt man aus dem Schlafsack, streckt sich erholt, gähnt und möchte JETZT zur morgendlichen Pipirunde gehen. Na endlich. Ich kann mich wieder bewegen 😮‍💨 Aber wer denkt ich könnte jetzt noch etwas den Platz genießen hat weit gefehlt. Stelle fest das der Bivy von innen, wegen fehlender Atmungsaktivität, und außen, vom Kondenswasser der atmenden Lebewesen, total nass ist. Ergo auch mein Schlafsack, der zum Glück wasserabweisend ist. Aber viel Wasser und niedrige Außentemperaturen machen Kälte ☝🏻 Da muss ich mich ja nicht wundern das ich friere wie ein Aal.

Nach Pipi und Hundefrühstück gönne ich mir mit knurrendem Magen einen Corny Riegel und packe missmutig meinen ganzen Plunder zusammen. Freue mich wieder über meinen Rucksack, den ich gleich draußen ins nasse Gras stellen darf, weil ich ja noch das Zelt zusammenwurschteln muss. Geht aber alles in kürzester Zeit. Der ganze Zeltboden ist außen voller Nacktschnecken 🤢 Kicke die Biester zornig mit meinem Wanderstock in die Wallachei, stopfe das Zelt in die Tüte und bastel selbige an den Rucksack 🎒 Gucke mich nochmal um, man will ja nix vergessen. Die Tüte mit den Heringen liegt noch da 🤯 Maaaaaann eh.

Punkt 7.15 Uhr ist alles fertig, der Lagerplatz nur noch platt, aber ohne Hinterlassenschaften. Die pure Einsamkeit umfängt uns. Keine anderen Menschen, nur ab und zu ein Reh oder Hase. So muss das sein. Könnte natürlich auch an der nachtschlafenen Zeit liegen…

Also los im Gleichschritt. Yuna studiert wie immer als erstes die Tagesnews der anderen Hunde und ich frage mich warum Komoot mal wieder nicht mit mir spricht. Aber offensichtlich sind wir auf dem richtigen Weg. Ich stelle fest, dass ich wohl den randvollen Leckerlibeutel irgendwo verloren haben muss. Bin mir ziemlich sicher das ich ihn gestern abend im Zelt noch hatte. Vielleicht hab ich ihn ja im morgendlichen Brass mit in den Rucksack gesteckt… Zum Glück habe ich zur Bestechung des 4 beins noch eine kleine Ersatztüte dabei…

Nach knapp 2 Std kommen wir in Sarau an. Kirche zu 🤯 Aber ein Schild, dienstags und donnerstags könne man am Haus gegenüber den Schlüssel und eine Kirchenführung bekommen. Da es gerade 9 Uhr ist, entschließe ich mich zu einer Pause bevor ich fremde Leute am Frühstückstisch belästige. Rucksack abgesetzt und el hundo was zu trinken kredenzt, da kommt auf der anderen Straßenseite eine Dame und fragt ob ich einen Pilgerstempel möchte. Na aber sowas von 😍 Sie kommt mit dem Stempel zurück und ich bekomme noch den Tip für ein kleines Café mit Frühstück. Genau das was ich nach dieser Nacht brauche. Wir setzen uns schön in die Sonne und genießen die längere Pause mit Kaffee und opulentem Mahl.

Kurz nach 10 Uhr gehen wir weiter, aber irgendwie komme ich nicht mehr in Gang. Der Hund trabt fröhlich neben mir her und ich merke meine Zipperlein. Schulter, Knie und Hüfte… Wie unangenehm. Heute früh wollte ich noch abbrechen und mit dem Auto wiederkommen für den Rest, aber jetzt denke ich mir doch, dass wir es bis 3 km hinter Ahrensbök zur Herberge schaffen. Mal schauen…

Päuschen hier, Päuschen da, meine Schulter ziept, das Knie piekst und die Hüfte läuft auch nicht rund. Der Hund ist schuld 😖 Die Strecke zieht sich und die Entfernung wird nicht wirklich weniger.

Im Wald, 3 km vor Ahrensbök, machen wir nochmal eine längere Pause. Ich rufe in Gedanken schonmal in der Herberge an, schicke dem Gatten einen Lagebericht und die neusten Fotos. Aus dem Nichts kommt eine telefonierende frustrierte Trulla und wackelt genervt an uns vorbei. Wohlgemerkt etwas abseits des Wanderweges. Wo die wohl jetzt herkam 🤔 Will nochmal nach dem Wetter gucken und falle über einen Erinnerungseintrag. Wir haben heute Hochzeitstag. Und ich habs vergessen 😳😳😳 Schicke meinem Herzallerliebsten noch eine Nachricht und denke mir, er hats auch vergessen, sonst hätte er gleich heute morgen schon was gesagt… Wir sind schon 2 Helden 🫣Somit bleibt mir ja üüüüüüüberhaupt gar nichts anderes übrig als nach hause zu fahren und den Abend mit meinem Gemahl zu verbringen.

Wir schleppen uns weiter nach Ahrensbök zur Kirche. Offen bis 13.30 Uhr, jetzt ist es 13.13 Uhr. Man muß auch mal Glück haben 😮‍💨 Stempel in unsere Pilgerpässe gedrückt und weiter. Vor der Kirche die Bushaltestelle. Der nächste Bus nach Lübeck geht um 14.08 Uhr… Knapp 1 Std Wartezeit, aber immerhin scheint ja die Sonne. In Lübeck 19 min Umsteigezeit für den Zug. Sollte ja eigentlich reichen.

Was nicht kommt ist der Bus… Mein Zeitpuffer wird immer schmaler, meine Nerven auch. 14.24 Uhr kommt er endlich. Somit habe ich noch genau 3 Minuten um zum Zug zu kommen 😵‍💫 Nehme ich halt den nächsten. Nützt ja nix.

Ich zahle 37,50 € für eine Busfahrt nach Lübeck samt Zugfahrt nach Preetz… Vor 3 Wochen bin ich mit einem 38 € Ticket von Greifswald durch die halbe Republik gegondelt. Verkehrte Welt.

Die Busfahrerin gibt ordentlich Gas und Yuna flitscht in Lichtgeschwindigkeit auf dem Boden von links nach rechts. Ich denke noch, dass sie vielleicht doch die Zeit noch gutmachen kann und ich den Zug erwische. Aber nein, ab Stockelsdorf will an jedem Grashalm einer aus- oder einsteigen 👿 Ich hatte mich in Ahrensbök an der Haltestelle mit einem netten älteren Herrn unterhalten, der mir die Gepflogenheiten der Ostholsteiner Verkehrsbetriebe erklären wollte und meinte ich könne froh sein, wenn ich überhaupt in Lübeck ankäme 🥴 Ebendieser Herr gab mir noch den Tip ich müsse JETZT aussteigen an den Lindenarcaden, da wäre nämlich der Zugbahnhof und nicht am ZOB. Dieser Tip war Gold wert, sonst hätte ich genauso doof dagestanden wie neulich in Schleswig wo der Bahnhof nicht der ZOB war. Früher war das doch alles mal ganz anders hier 😳

Also raus ausm Bus, Hund will schonwieder Zeitung lesen. Die spinnt wohl, wir haben keine Zeit. Ziehe sie weiter zu Gleis 4, da steht unser Zug… Hechel die Treppe runter und springe rein. 15.04 Uhr… Abfahrt ist 15.06 Uhr. Just in time. Die anderen Fahrgäste gucken etwas genervt, weil ich so laut atme und kurz vorm Tod stehe… Dem Gatten noch geschrieben, dass wir es geschafft haben und 16 Uhr in Preetz abholbereit sind. Nun kann der Herztod eintreten…

So kommt dann was kommen mag. Wir sind pünktlich da, meine Lunge und der Herzschlag haben sich wieder beruhigt. Jetzt erstmal nach hause, duschen und saubere Klamotten anziehen. Danach wird entschieden wo wir heute abend essen gehen.

Auf der Couch angekommen muß ich erstmal den Hund vertreiben. Ich kann hüftbedingt heute nicht so liegen wie sonst und brauche ihren Platz. Sie hat mir schließlich meinen auch geklaut 🫵🏻 Ein bisschen Voltaren auf Schulter und Hüfte. Ich fühle mich etwas rentneresk mit diesem Duft. Leider kann ich auch im Bett nicht vernünftig liegen. Sobald ich mein Bein bewege schießen Schmerzen durch meinen ganzen Körper. So kann ich definitiv nicht los zur letzten Etappe. Also wird ein Erholungstag eingebaut in der Hoffnung, dass über Nacht Wunderheilung geschieht und ich wie Phönix aus der Asche morgens auferstehen werde…


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