Es geht bergauf…

16. Mai 2025

Ahrensbök- Lübeck

… im wahrsten Sinne des Wortes.

Gefühlt geht es nur bergauf bis Stockelsdorf. Zu meinem Hexenschuss links kommt nun das rechte Schienbein samt Wade dazu… Warum setze ich mich nicht einfach in den Bus????????? 🚌

Weil das ja jeder könnte und aufgeben keine Option ist ☝🏻 Also Zähne zusammenbeißen, ein bisschen langsamer humpeln und weitermachen 🤷‍♀️ Was soll’s. Ist ja die letzte Etappe. Leider bis StoDo direkt an der Bundesstraße 🙄 Immerhin mit Sonne und halbwegs schöner Aussicht.

In 1 Std habe ich sagenhafte 2 km zurückgelegt. Normales Pensum wäre das Doppelte… Die Pilgerschnecke von vorletzter Woche hat mich bald wieder eingeholt fürchte ich 🐌 Ich fühle mich ein bisschen wie der platt gefahrene Kadaver am Straßenrand 💀 Noch 10,5 km bis St. Jakobi Lübeck… 🫩

Heute bin ich hundelos. Das knickt zusätzlich irgendwie meine Motivation 😭 Aber da Yuna die letzten Tage sehr entspannt war, es heute hauptsächlich durch Stadtgebiet geht, was sie nicht gut haben kann, und wir morgen unsere Prüfung zum Besuchshund ablegen sollen, habe ich sie lieber zuhause gelassen. Bevor sich noch wieder blöde Marotten und entsprechende unerfreuliche „Erfolge“ einschleichen am letzten Tag. Das fehlt mir noch. Trotzdem macht’s ohne sie nicht recht Spaß 🫩

Nach 6 km in Stockelsdorf die erste Bank. Erstmal fix frühstücken und ausruhen. Ich bin in der Stadt… Merkt man daran, dass die Leute plötzlich nicht mehr grüßen 🤷‍♀️ Whatever…

Die Stockelsdorfer Kirche empfängt mich mit Orgelmusik… Normalerweise lässt mich sowas ja kalt, aber heute stempel ich die Pilgerausweise, setze mich hin, lausche den Klängen und genieße die tolle Energie der Kirche. Sehr berührend und führt mir einmal mehr vor Augen, dass meine Reise in ein paar Kilometern zuende ist. Ein kleines Tränchen habe ich nun doch im Knopfloch, bin froh das ich mich aufgerafft und es nicht verschoben habe und sage mir „nach der Pilgerreise ist vor der Pilgerreise“. Zum Glück gibt es ja noch eine Westroute der Via Jutlandica, einen kurzen Abschnitt an der Westküste und diverse andere Jakobswege. Zum Glück sind auch bald schonwieder Feier- und Brückentage und Urlaub und ich kann wieder raus in die weite Welt. Ich habe Zeit und einen Ehemann, der meine verrückten Ideen mitmacht… Was bin ich doch für ein Glückskind 🍀 ❤️

Treffender kann die Botschaft wohl nicht sein…

Und noch weitere Botschaften der geistigen Welt erreichten mich 😇 Wie passend in meiner derzeitigen Situation.

11.15 Uhr Ich würde dem Orgelspieler ja gern noch länger lauschen, aber er spielt immer dasselbe und ich muss ja nun auch weiter um nacher pünktlich meinen Bus zurück zum Auto zu kriegen. Ob’s hier irgendwo noch eine Toilette gibt? Draußen ist’s warm und mein Hydrapak ist fast leer getrunken 🤔 Ich mach mich mal auf die Suche…

Zum Glück hat mir der Hausmeister den Kurzbesuch genehmigt 😮‍💨 Mein Angebot anderenfalls den Baum vorm Klohäuschen zu wässern wollte er nicht annehmen…

13.30 Uhr Und plötzlich ist es vorbei. Ich stehe am Bahnhof und warte auf den Bus, der mich zurück zum Auto bringt. Ich habe alles erreicht, was ich auf dieser Route erreichen wollte. Ich habe alle Stempel bekommen, die zu bekommen waren und das Abschlussfoto gemacht, was ich mir vor meinem geistigen Auge ausgemalt hatte. Und jetzt???

Ich bin stolz auf mich. Stolz auf mein Hundetier, welches ganz bestimmt sich nach mir verzehrend winselnd vor Einsamkeit zuhause auf mich wartet. Weil ich einen Pilgerausweis hatte, bekam ich in der St. Marienkirche in Lübeck nicht nur einen Stempel sondern auch freien Eintritt, während alle anderen 5 € berappen mussten. Ein sehr imposanter Bau. Und ich habe eine Kerze angezündet 🕯️ Wofür weiß ich nicht, aber mir war danach. Werd ich doch noch sentimental auf den letzten Metern?

In der Matthäikirche habe ich einen Stempel bekommen, wobei die Dame im Kirchenbüro gar nicht wusste was ich von ihr will, mir aber ihren Siegelstempel anbot, der perfekt und mit dem ich wiederum wunschlos glücklich war.

Ich liebe Lübecks Architektur, die Altstadt, die kleinen Hinterhofgärten, die schmalen Gassen. Es ist schon sooooo lange her das ich hier gewohnt habe. 27 Jahre und zu schätzen wusste ich es damals nicht. Hinterher ist man immer schlauer.

Nun der Abschluss am Holstentor.

Einige Male wurde ich unterwegs gefragt ob ich was merke und was ich für Eingebungen und Erkenntnisse hatte. hier mein Fazit:

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich, bis auf 3 Regenschauer, 4 Wochen lang trocken durch die Gegend wandern konnte. Dankbar und stolz meinen Weg gegangen zu sein und auch geschafft zu haben, obwohl ich mehr als ein Mal kurz davor war hinzuschmeißen. Dankbar für alle schönen Begegnungen und Erlebnisse, die wir hatten. Das wir heil wieder zuhause gelandet sind und weder von Wildschweinen, Wölfen oder Serienmördern angegriffen wurden. Dankbar für mein schönes Bett, gutes Essen und eine Dusche, aus der fast endlos heißes Wasser kommt. Dankbar für meinen Göttergatten und meine Freunde.

Der Busfahrer gibt nochmal alles und schmeißt mich 14.15 Uhr am Auto raus. Jetzt kann’s von mir aus regnen, gewittern oder schneien. Ich vervollständige noch meinen Beitrag hier und fahre dann gechillt und mir selbst auf die Schulter klopfend nach Hause zu meinen Liebsten.

Das Holstentor in Lübeck
Mehr war da nicht zu wollen. Der Ausweis ist bis zum letzten Stempelfeld gefüllt 💪🏻

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