Unbefriedigt…

18. Juli 2025

Heute hatten wir unseren ersten Einsatz als Besuchshundeteam im Hospiz.

Es war ganz anders als ich mir, seit der Vorstellung dort vorige Woche, ausgemalt hatte und lässt mich tatsächlich etwas unbefriedigt zurück…

Seit Tagen habe ich mir Gedanken gemacht was mich wohl erwarten wird. Über welche Themen spricht man mit todkranken Menschen? Was kann man ansprechen? Was kann man mit ihnen machen? Was wird von mir erwartet? Was werde ich sehen? Komme ich mit den Schicksalen klar, die ich dort sehen werde?

Das Nichtwissen belohnte mein Körper mit nervösem Magen und tagelangen Kopfschmerzen 🙄 Im Hospiz leben 16 Gäste. Erwartet man von mir das wir alle besuchen? Wie soll ich das bloß schaffen? Was ist wenn der Hund nicht mehr kann wir aber nur bei einem oder 2 Gästen waren? Werden die nicht Besuchten traurig sein? Man kann sich schon selbst in den Wahnsinn treiben 😱

Ich habe diverse Dinge, von denen ich dachte das sie mir vielleicht nützlich sein könnten, in meine Tasche getan. Letztlich habe ich nichts davon gebraucht 🤷‍♀️

Wir wurden superlieb empfangen, bekamen eine Liste mit 6 Personen, die sich über einen Besuch freuen würden und stiefelten los. Was soll schon passieren, außer das jemand doch keinen Besuch möchte 🤷‍♀️ Ich bekam ein Schild, welches ich an die Zimmertür hängen sollte, sodass wir nicht gestört werden von Personal. Richtig durchdacht und die Stimmung war sehr angenehm entspannt.

So gingen wir ins erste Zimmer, stellten uns vor und ich versuchte ein Gespräch in Gang zu bringen. Draußen auf der Terrasse hopste eine Amsel vorbei, die sich einen Wurm gefangen hatte. Krankheitsbedingt war es schwierig mit einer Unterhaltung und so schwiegen wir uns mehr an als das wir redeten. Nach 20 min war die Situation doch relativ schwierig für mich auszuhalten und wir verabschiedeten uns. Ich rede ja doch relativ viel täglich, aber mir fiel wirklich partout kein Gesprächsthema ein. Also Schwanz einklemmen und abhauen. Das Hundetier war natürlich wieder super. Hat sich streicheln lassen und sich artig hingelegt und abgewartet.

Im 2. Zimmer freute man sich auch über unseren Besuch. Wieder wollte sich keine Gesprächsidee einstellen. Man erlebt mich ja relativ selten sprachlos, aber heute war ich es mehrfach. Was sagt man, wenn auf die Frage „wie geht es Ihnen heute?“ als Antwort „schlecht“ kommt? Oder „ich werde hier sterben“… Da sagste erstmal nix mehr und schluckst nur noch…

Das Zimmer hatte einen wundervollen Ausblick auf den Garten und im Baum lebte eine Kolonie Tagpfauenaugen. Ich habe noch nie soviele Schmetterlinge auf einem Haufen gesehen. Draußen tschiepten Vögel. Richtig schön. Also haben wir zusammen die Schmetterlinge beobachtet und ich habe mir Vogel- und Schmetterlingsarten erklären lassen.

Erleichterung machte sich bei mir breit als das Telefon klingelte und ich den Besuch nach 15 min beenden konnte um weiterzugehen.

Wir zogen noch ein bisschen durchs Haus und stellten uns vor. Die meisten anderen Gäste auf meiner Liste hatten aber Besuch. Da will man ja auch nicht stören. Also verabredet für nächste Woche.

Nach 1 Std haben wir uns dann von den Mitarbeitern verabschiedet und sind wieder nach Hause gefahren.

So ganz weiß ich immernoch nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Es war so ganz anders als unsere Besuche im Pflegeheim. Ich bin irgendwie enttäuscht von mir selbst aber natürlich auch wieder total stolz auf Yuna. Ein extrem komisches Gefühl. Ich habe nicht wirklich das Gefühl heute etwas Gutes getan zu haben und der Tag fühlt sich irgendwie unvollständig an… 😳


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